Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch – und mit ihr auch die maschinelle Übersetzung. Sie wird in immer breiterem Umfang genutzt.
Warum also nicht Texte einfach maschinell mit DeepL oder Google Translate vorübersetzen und bei entsprechenden Qualitätsanforderungen nur noch von einem Übersetzungsdienstleister „lektorieren“ lassen? Das spart Zeit und vor allem Kosten – so zumindest könnte man meinen.
Leider bleiben dabei jedoch einige Aspekte auf der Strecke, insbesondere im Hinblick auf die Qualität. So erfolgt oft vorab keine Prüfung, ob der gegebene Text für eine maschinelle Übersetzung geeignet ist. Etwa bei Marketingtexten, Software-Strings oder Wortlisten ist die maschinelle Übersetzung häufig nicht die beste Wahl. Zudem fallen vorhandene Übersetzungen aus der Datenbank sowie Terminologievorgaben komplett unter den Tisch. Einheitlichkeit ist nicht wirklich gegeben, weder innerhalb des Textes noch im Vergleich zu bestehenden Übersetzungen.
Dies führt dazu, dass ein „Lektorat“ der „Übersetzung“ wesentlich aufwändiger wird, was natürlich mit höheren Kosten als zunächst kalkuliert verbunden ist.
Darüber hinaus bleibt der Datenschutz außen vor. Online eingegebene oder hochgeladene Texte werden im Netz gespeichert und für verschiedenste Zwecke verarbeitet. Bei firmeninternen Unterlagen ist dies meist nicht wünschenswert.
Warum also bei maschineller Übersetzung besser gleich auf den Übersetzungsdienstleister setzen?
Zunächst einmal verfügt der Übersetzungsdienstleister über geschützte MÜ-Systeme, d. h. die Kundendaten werden nicht vom jeweiligen Betreiber verarbeitet, sondern verbleiben ausschließlich in der Hand des Dienstleisters.
Dieser hat verschiedene Möglichkeiten, um bereits im ersten Schritt Einfluss auf die maschinelle Übersetzung zu nehmen und somit schon vor der Überprüfung durch den Fachübersetzer (sog. Post-Editing) für Einheitlichkeit und höhere Qualität zu sorgen. Zunächst können beispielsweise bestehende Übersetzungen aus der Datenbank übernommen werden. Erst dann erfolgt die maschinelle Übersetzung, auch unter Berücksichtigung spezifischer Terminologievorgaben, und im Anschluss das Post-Editing.
Das vom Kunden im ersten Fall bestellte „Lektorat“ entspricht also eigentlich dem sogenannten Post-Editing. Der Unterschied: Von einem Lektorat spricht man, wenn eine Humanübersetzung von einer zweiten Person überprüft wird (4-Augen-Prinzip). Post-Editing hingegen ist die Prüfung und Verbesserung einer maschinellen Übersetzung. Da in der Regel beim Post-Editing mehr recherchiert und korrigiert werden muss, ist der Aufwand größer als beim Lektorat.
Daher können die Kosten im ersten Fall sogar höher ausfallen. Den kompletten Weg über den Übersetzungsdienstleister zu gehen, bietet aber vor allem immense Qualitätsvorteile und erleichtert dem Post-Editor deutlich die Arbeit. Der Datenschutz bleibt gewährleistet, die Kosten sind transparent.
Von M.A. Christian Schaller
Projektmanagement – medical language service